Ausstellungseröffnung: Der Fall Shmuel Dancyger
Vernissage und Einführung
Teil der Ausstellung Der Fall Shmuel Dancyger
Ort: Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2, 10173 Stuttgart
Sprache: Deutsch
Eintritt: frei
Shmuel Dancyger hat das Ghetto in Radom, hat Auschwitz und den Todesmarsch nach Mauthausen überlebt. Befreit, in einem Sanatorium in Paris erfährt er, dass es in Stuttgart ein Displaced Persons Zentrum gibt, mit vielen Überlebenden aus seiner Heimatstadt Radom. Er macht sich auf den Weg und das Wunder geschieht. In der Reinsburgstraße 197 B kann er seine Frau Regina, die Tochter Yaffa und den Sohn Marek in die Arme schließen. Auch sie haben Auschwitz überlebt.
Wenig später, am 29. März 1946, führt die Stuttgarter Polizei eine Razzia wegen Schwarzmarktgeschäften in dem DP Zentrum durch. Der Einsatz eskaliert, Shmuel Dancyger wird durch einen Kopfschuss aus einer Polizeipistole ums Leben gebracht.
Die Fotoausstellung Der Fall Shmuel Dancyger geht den Motiven nach und führt auf die Spur des mutmaßlichen Todesschützen. Anlässlich der Ausstellungseröffnung gibt es eine Einführung und einen Gang durch die Ausstellung mit der Kuratorin Tina Fuchs.
Über die Ausstellung
Fotos vom 29. März 1946 aus der Stuttgarter Reinsburgstraße befinden sich in Archiven in Israel, Amerika und Deutschland und werden hier erstmals gezeigt. Der Fall des erschossenen Auschwitz-Überlebenden Shmuel Dancyger in Stuttgart machte damals weltweit Schlagzeilen. Überraschend viele Fotos dokumentieren aber auch den Alltag der Überlebenden, die im Stuttgarter Westen zwischen 1945 und 1949 eine Art jüdisches Shtetl wiederaufleben ließen.
Die Fotoausstellung zeigt drei Phasen der jüdischen Displaced Persons dieser Zeit: Ankunft und Alltag der KZler, wie sie sich selbst nannten, die tödliche Razzia, sowie die darauffolgenden Proteste, und, nach Jahren des unerträglichen Wartens, schließlich die Ausreise. Denn die jüdischen Überlebenden saßen hier fest, ausgerechnet im Land der Täter. Ihr zu Hause war ihnen genommen, Länder wie Amerika oder Kanada hatten strikte Einwanderungsquoten und der Staat Israel existierte noch nicht.
Zudem wird in einer digitalisierten Zeitreise die Reinsburgstraße von 1946 erfahrbar gemacht. Das Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart bietet dazu virtuelle Rundgänge.
In Kooperation mit: Lernort Geschichte, WKV, Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart, Bürger Stiftung Stuttgart